Die Klax-Pädagogik 

Die gesamte Arbeit von Klax gründet auf der Klax-Pädagogik. Die Klax-Pädagogik wurde im Jahr 1990 von der Pädagogin und Künstlerin Antje Bostelmann begründet und seither von ihr und ihrem Team in Krippen, Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen für Erwachsene gelebt und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Klax-Pädagogik setzt auf Individualität, Kreativität und Innovationskraft. Dabei berücksichtigt sie gesellschaftliche Veränderungen und kulturelle Unterschiede. Dies macht sie nicht nur im europäischen Kontext interessant und anwendbar.

Das Fraktal der Klax-Pädagogik: Im Zentrum steht der zur Verantwortung fähige Mensch.

Im Mittelpunkt der Klax-Pädagogik steht das Individuum. Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch die wesentlichen Voraussetzungen zum Lernen mitbringt. Unser Blick auf das Kind, den Heranwachsenden oder den Erwachsenen orientiert sich an seinen Ressourcen, Stärken und Interessen. Aufgabe der Klax Pädagogen ist es, die ganz persönlichen Stärken zu erkennen und entsprechend dem individuellen Lernweg zu fördern.

Die Klax-Pädagogik steht auf vier Säulen

Lernen heißt, sich Herausforderungen zu stellen und dabei Kompetenzen zu erwerben. Und dieser Prozess ist von Mensch zu Mensch verschieden: Jeder lernt auf ganz individuelle Weise und in einem eigenen Tempo – auch in Abhängigkeit vom Lerngegenstand, Wissensstand, Interesse, emotionalen und sozialen Rahmen, von der Tagesform, der Beziehungsqualität sowie vom Raum- und vom Materialangebot. Wir messen den Kompetenzerwerb der Lernenden deshalb an den individuellen Lern- und Leistungsvoraussetzungen und nicht etwa am Durchschnitt aller Menschen gleichen Alters.

Die Individualität zu erkennen und zu respektieren, ist eine große Aufgabe. Die Klax Pädagogen suchen stets nach herausfordernden Bildungsangeboten, mit denen sie die Lernenden stimulieren, sodass diese kreative Lösungen finden. Wichtig ist dabei, Interesse für den Wissensdurst zu zeigen, anstatt fertige Antworten zu liefern. Pädagogen sollen die Lernenden ermutigen, sich auch mit komplexen Themen auseinanderzusetzen, wenn sie dafür Interesse zeigen.

Begeisterung ist dabei ein effektives Hilfsmittel. Was Menschen wach und freudig erleben, lernen sie leichter. Die Klax Pädagogen heben deshalb in der Gestaltung von Lernsituationen die Momente hervor, die Begeisterung erzeugen. Die Lernenden dürfen stolz auf ihre neuen Fähigkeiten sein.

Zum Menschsein gehört das Miteinander und das Miteinander prägt den Menschen. Alle Formen der Interaktion beeinflussen die kognitive, die emotionale und die soziale Entwicklung maßgeblich. Die soziale Gemeinschaft ist deshalb eine Voraussetzung für gelingende Entwicklung und Bildung. Bei Klax schließt die soziale Gemeinschaft alle ein, die in einer Institution interagieren. In unseren Kindergärten und Schulen sprechen wir daher von Lernfamilien.

Was macht für uns eine erfolgreiche soziale Gemeinschaft aus? Wir ermöglichen Beteiligung von Anfang an. Wir beziehen die Lernenden in möglichst viele Entscheidungen ein. Gemeinsam planen und reflektieren wir die Lernwege. Darüber hinaus begegnen alle einander mit Respekt. Alle sind gleichgestellt, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder Weltanschauung, sexueller Orientierung oder Behinderung. Alle machen sich stark dafür, gemeinsam vereinbarte und begründete Regeln einzuhalten. Regeln verschaffen jedem Einzelnen Orientierung und Sicherheit und sind Grundlage des Gemeinschaftsgefühls.

Klax Pädagogen sind sensible Begleiter, die die Fähigkeiten und Potenziale jedes Einzelnen erkennen und ihm oder ihr stete Bildungserfolge ermöglichen. Wesentlich dabei ist, das Individuum ernst zu nehmen und es wertzuschätzen. Denn Lernende sind auf ein förderliches emotionales und soziales Umfeld angewiesen. Unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen von Lernprozessen ist eine lösungsorientierte Haltung.

Uns ist es wichtig, dass die Pädagogen überzeugt vom Gelingen der Klax-Pädagogik sind: Ziel ist der zur Verantwortung fähige Mensch. Nur wenn Pädagogen daran glauben, dass jeder Mensch etwas erreichen und seine Potenziale einsetzen kann, werden sie Mittel und Wege finden, ihn optimal zu fördern.

Klax Pädagogen sind Vorbild für die Lernenden und vermitteln die Werte, die unsere demokratische Gesellschaft charakterisieren. Zum professionellen Selbstverständnis der Klax Pädagogen gehört einerseits Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und andererseits Neugier. Klax Pädagogen betrachten das Lernen der Kinder als Teil des eigenen Lernprozesses. Fortwährende Reflexion des eigenen pädagogischen Handelns ist unverzichtbar.

Ästhetisch ansprechend und durchdacht strukturiert – das ist der erste und bleibende Eindruck, den unsere Kitas, Schulen und andere Bildungsinstitutionen hinterlassen. Wir sind überzeugt: Erfolgreiches Lernen setzt eine Umgebung voraus, die so gestaltet ist, dass sie Anregung zum Lernen bietet. Die Umgebung soll ästhetisch, sicher, praktisch und spannend sein.

Unsere Räume dienen der sozialen Gemeinschaft als Lebensumfeld. Institutionen, die die Klax-Pädagogik umsetzen, bieten Räume zu verschiedenen Lernthemen. Darin stehen Materialien bereit, die neugierig machen, Ordnungssinn erzeugen und zum Entdecken anregen. Wichtig ist die Sinnhaftigkeit der Umgebung. Die Klax Pädagogen wählen das Material passend zum Entwicklungsstand und zum aktuellen Bildungsthema aus und passen es regelmäßig den neuen Themen und Interessen der Lernfamilie an.


Neben Raum- und Materialgestaltung zählt auch die zeitliche Struktur: Pädagogen geben den Kindern Geborgenheit, Orientierung und Sicherheit durch Routinen. Für die Kinder haben einerseits Lernmaterialien einen festen Platz und andererseits Lernzeiten eine bekannte Abfolge. Wir schaffen damit eine Atmosphäre, in der die Kinder gern lernen und sich wohlfühlen. Sicherheit ist für uns keine Frage von ständiger Beaufsichtigung. Sicherheit entsteht durch die gestaltete Umgebung und durch die Möglichkeit, sicheres Verhalten zu erlernen. Alle Materialien, die wir einsetzen, sind sicherheits- und qualitätsgeprüft.

Fünf Schlüsselkompetenzen

Vor dem Hintergrund einer sich stetig wandelnden Welt kommt es darauf an, Schlüsselkompetenzen zu besitzen. Schlüsselkompetenzen sind solche Kompetenzen, die einen Menschen zum eigenständigen und sozialen Denken, Handeln und Gestalten befähigen. Es geht in der Klax-Pädagogik also um den Erwerb von grundsätzlichen sozialen, fachlichen und methodischen Fähigkeiten. Wir fördern im Besonderen fünf Schlüsselkompetenzen.

Die wichtigen Herausforderungen kommender Generationen lassen sich nicht mit altbewährten Herangehensweisen oder problemfixierten Sichtweisen lösen. Kreativität und problemlösendes Denken sind heute zentrale Schlüsselkompetenzen. Kreativität ist der Treibstoff des Lernens. Kreative Menschen sind erfindungsreich. Sie gehen neue Wege, um Lösungen zu entwickeln und Herausforderungen zu meistern. Probleme sind für sie Chancen – zu lernen, Erfahrungen zu machen, sich zu entwickeln. Kreative Menschen nutzen ihre Vorstellungskraft konstruktiv und setzen ihr Wissen dank vernetzendem, kritischem Denken in diversen Kontexten sinnvoll ein.

Menschen mit Sozialkompetenz gehen freundlich und rücksichtsvoll mit anderen um und handeln solidarisch. Sie sind in der Lage, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und auf ihre Bedürfnisse und Interessen einzugehen. Damit verbunden ist Kooperationsfähigkeit, um in Teams ergebnisorientiert zusammenzuarbeiten. Das Kompetenzfeld impliziert auch, dass Menschen lernen, miteinander Regeln zu vereinbaren, sich daran zu halten und diese kritisch zu hinterfragen, wenn dies erforderlich ist.

Menschen bereits früh zum selbstorganisierten und kritisch-reflektierten Lernen zu befähigen, das ist das Ziel in diesem Kompetenzfeld. Damit eng verknüpft ist unser Anspruch, individuelle Lernwege zu ermöglichen und grundlegende Fähigkeiten zu vermitteln. Lernende können sich selbst Ziele setzen, ihren Lernweg planen und ihre Entwicklung kritisch reflektieren. Sie sind befähigt, sich neues Wissen effektiv anzueignen, dieses in unterschiedlichen Kontexten einzusetzen, komplexe Probleme zu lösen und ihren weiteren Lernweg selbst zu organisieren.

Heutige Gesellschaftsformen und die mit der Globalisierung einhergehenden sozialen Dynamiken sind geprägt von kulturellen, ethnischen, religiösen und gesellschaftlichen Diversitäten. In diesem Kompetenzfeld befähigen wir Lernende, sich mit anderen Weltanschauungen und Meinungen dialogisch auseinanderzusetzen. Menschen, die in der Lage sind, Toleranz zu üben, die eine kritische Reflexions- und Konfliktlösungsfähigkeit besitzen, sind weniger anfällig für Ideologien. Sie können Chancen, die sich aus Diversität ergeben, besser nutzen. Sie können sich auf Basis gemeinsam geteilter Werte verständigen und bewusst integrieren, ohne dabei bestehende Unterschiede zu verneinen.

Mit der Ich-Kompetenz fördern wir das Selbstbewusstsein und die Selbstreflexion der Lernenden. Ziel ist die Ausbildung einer individuellen Persönlichkeit. Selbstbewusste, eigenständige und ausgeglichene Menschen kennen ihre Fähigkeiten und Potenziale sowie ihre Bedürfnisse und Erwartungen. Sie sind in der Lage, etwas zur sozialen Gemeinschaft beizutragen und in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen im Sinne einer persönlichen Weiterentwicklung zu profitieren. Menschen mit Ich-Kompetenz haben den Mut, ihre Meinung zu sagen und auch zu vertreten und im Abgleich mit anderen Meinungen kritisch zu hinterfragen. Sie können ihre Gefühle erkennen und mit ihnen umgehen.

Unsere Methode: das Lernen mit Zielen

Alle Lernenden haben bei uns ein klar aufgebautes, verbindliches und gut anwendbares Portfolio. Es dokumentiert die Lernentwicklung und aktuelle Lernziele. Das heißt, die Kinder, Schüler und auch die Erwachsenen können jederzeit die Erfolge ihres Lernprozesses nachvollziehen, stolz auf das Erreichte sein und ihren Bildungsprozess aktiv steuern und mitgestalten.

Mit dem Portfolio erlangen die Lernenden ein ganz besonderes Wissen, nämlich das Wissen über ihr eigenes Wissen. Sie lernen, dass und wie sie lernen, und entwickeln die Fähigkeit, die Bedingungen auf ihren Lernerfolg auszurichten. Ist das der Fall, gelingt das Lernen besser und motivierter.

Das Portfolio ermöglicht außerdem ein durchgängiges Bildungssystem von der Krippe bis hin zur Erwachsenenbildung – und damit ein Aufwachsen und Lernen ohne institutionell bedingte Beschränkungen.


 

Einordnung und Entwicklung

Antje Bostelmann hat die grundlegenden Ideen und heutigen Kernthesen der Klax-Pädagogik Ende der 1980er-Jahre entwickelt und formuliert. Ihre Überzeugung: Es gibt Möglichkeiten und Methoden, das einzelne Kind mit seinen Stärken wahrzunehmen, es in seiner individuellen Entwicklung und dem eigenen Lerntempo entsprechend zu fördern.

Anwendbarkeit und Sinnhaftigkeit

Als eigenständige Pädagogik ist die Klax-Pädagogik nicht direkt aus einer bestehenden reformpädagogischen Bewegung heraus entstanden oder beruft sich auf eine pädagogische Tradition in der historischen Debatte. Sie ist von bestimmten erkenntnistheoretischen Ideen und (reform)pädagogischen Konzepten beeinflusst – zum Beispiel von Friedrich Fröbel, Maria Montessori oder der Reggio-Pädagogik.

Beeinflusst ist die Klax-Pädagogik davon insofern, als Klax diese Konzepte auf ihre aktuelle Anwendbarkeit und Sinnhaftigkeit vor dem Hintergrund der Ziele der Klax-Pädagogik prüft. Ist eine grundsätzliche Vereinbarkeit gegeben, werden Elemente implementiert und weiterentwickelt, die aus heutiger Sicht Erfolg versprechen.

Stetige Verbesserung

Entwicklung heißt stetige Verbesserung der pädagogischen Qualität. Die Klax-Pädagogik stellt deshalb die eigenen Werte, Ziele, Methoden und Inhalte im Kontext aktueller gesellschaftlicher Veränderungen, im Kontext von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und im Kontext einer reflektierten pädagogischen Praxis regelmäßig selbst auf den Prüfstand.

Klax evaluiert jährlich die praktische Umsetzung und den Nutzen für Kinder, deren Familien und lernende Erwachsene. Wer Menschen zu kritischem Denken und zur Reflexion der eigenen Lernleistungen befähigen möchte, muss selbst kritisch und reflektiert mit dem eigenen Fundament umgehen.

Praxistest

Im Zuge der Evaluation spielt auch das Feedback der Praktiker eine herausragende Rolle. Schließlich werden auf Grundlage der Erprobung Verbesserungen abgeleitet und in der Entwicklung umgesetzt, bevor die veränderten Konzepte, Instrumente und Methoden in die Klax-Pädagogik implementiert werden.

Klax erprobt insbesondere in seiner Konsultationskita, inwiefern die Instrumente und Methoden geeignet sind. Nicht nur Effektivität, sondern auch die praktische Handhabbarkeit im pädagogischen Alltag stehen dabei auf dem Prüfstand. Wir wollen damit ausschließen, dass Neuerungen in die pädagogische Praxis implementiert werden, die zwar theoretisch gut durchdacht, aber im Alltag der Pädagogen nicht umsetzbar sind.

Deshalb ist es auch wichtig, die Praxis in Bildungsinstitutionen wie Krippen, Kindergärten, Schulen und Universitäten weltweit kennenzulernen. Die besten Umsetzungsideen kommen aus der Praxis und alle Beteiligten profitieren davon, ihre guten Ideen miteinander zu teilen.

Die Klax-Pädagogik lebt von weltweitem Austausch

Die Klax-Pädagogik wird von zahlreichen Partnern erfolgreich umgesetzt und weitergetragen. Dazu zählen Krippen und Kindergärten im In- und Ausland, Schulen und Fachschulen, die Klax Kreativwerkstatt oder auch das Institut für Klax-Pädagogik. Die Mitentwickler, Institutionen und Menschen, die sich mit den Grundsätzen der Klax-Pädagogik identifizieren oder sich auf andere Weise mit ihr verbunden fühlen, pflegen einen regen pädagogischen Austausch weltweit. Dies geschieht vor allem durch gegenseitige Besuche, durch gemeinsame Workshops und den Austausch auf Tagungen und Kongressen.

Durch diese breit gefächerte Ausgestaltung werden wiederum neue Impulse aufgegriffen, die für die Entwicklung der Klax-Pädagogik von großer Bedeutung sind. Deshalb ist die Klax-Pädagogik aktiv darum bemüht, das Netzwerk offen zu halten für Praktiker wie Theoretiker, und einen breiten Diskurs über die Entwicklung und Bildung von Menschen zu schaffen.