Spielentwicklung im U3-Bereich
Es ist Montagmorgen in der Krippe der 2- bis 3-Jährigen. Zwei Kinder entdecken den Trecker auf dem Teppich und greifen danach, halten ihn fest und ziehen daran. Da die sprachlichen Möglichkeiten noch begrenzt sind, spitzt sich die Situation zu. Plötzlich beißt das eine Kind, da es keinen anderen Ausweg mehr weiß und unbedingt das Spielzeug haben möchte …
Krippenkinder sind in Konfliktsituationen häufig hilflos und kommen an die Grenzen ihrer eigenen Ressourcen und Möglichkeiten. Infolgedessen greifen sie zu grenzüberschreitendem Verhalten wie Schubsen, Kneifen, Hauen und Beißen. In solchen Situationen spielt die Co-Regulation als zentrale Grundlage emotionaler Entwicklung von Krippenkindern eine große Rolle.
Die Co-Regulation beschreibt die Emotionsregulierung des Kindes durch die Unterstützung einer Bezugsperson. Babys kommen mit einem noch nicht fertig ausgebildeten autonomen Nervensystem zur Welt. Im Laufe der Entwicklung kann das autonome Nervensystem von der Co-Regulation in die Selbstregulation übergehen. Man unterscheidet zwischen bewusster und unbewusster Co-Regulation. Bei der bewussten Co-Regulation werden die Emotionen des Kindes erkannt und benannt, und die Bezugsperson bietet körperliche Nähe an, indem sie zum Beispiel tröstet. Bei der unbewussten Co-Regulation geht es um den körperlichen Ausdruck der Bezugsperson, zum Beispiel die Körperhaltung und die Mimik. Wenn die Bezugsperson Stress empfindet, wird dieser nach außen getragen. Infolgedessen werden die Stresssysteme des Kindes aktiviert, und das Kind empfindet auch Stress. Co-Regulation kann also auch negativ sein.
Für den Krippenalltag der 2- bis 3-Jährigen wurden daher konkrete pädagogische Strategien und Angebote zur Förderung der Selbstregulation entwickelt.
Kinder-Yoga, Gefühlskarten und Kamishibai
Dazu gehörte Kinder-Yoga, da Kinder durch die Entspannungstechniken lernen, Stress abzubauen, und die Übungen im Alltag jederzeit anwenden können. Sie bieten einen Ausgleich zum oft bewegungsarmen oder reizüberfluteten Alltag. Die Übungen wurden bildlich auf einem Plakat aufgeklebt und sichtbar aufgehängt, damit die Kinder sie selbst erkennen und nachmachen konnten.
Außerdem wurden Gefühlskarten mit verschiedenen Emotionen erstellt. Die abgebildeten Gefühle wurden mit den Kindern besprochen, wobei die Kinder einen Zusammenhang mit ihrer eigenen Lebenswelt hergestellt und Beispiele genannt haben, wann man sich ängstlich oder traurig fühlt. Anschließend konnten sie selbst erzählen oder anhand der Karten zeigen, wie sie sich gerade fühlen. Dieses Angebot wurde mit den 3-Jährigen durchgeführt.
Ein weiteres Angebot war eine Kamishibai-Geschichte. Ein Kamishibai ist ein „Papiertheater“, das aus einem Holzrahmen mit Flügeltüren besteht. In den Rahmen werden Bildkarten oder Bilder einer Geschichte eingelegt. Während die Geschichte erzählt wird, können alle Kinder die Bilder gut sehen und der Handlung leichter folgen.
Bei der Geschichte handelte es sich um eine Ziege und eine Gans, die eigentlich beste Freunde sind. Sie hören aber einander nicht zu, machen sich über ihre gemalten Bilder lustig und nehmen sich gegenseitig ihre Spielzeuge weg. In der Geschichte wird auch gebissen. Die Kinder sind auf die Emotionen der Ziege eingegangen und haben selbst erkannt, dass man nicht beißen darf. Am Ende vertragen sich die Ziege und die Gans wieder.
Die Geschichte sollte den Kindern zum einen ein Verhalten aufzeigen, das nicht erwünscht ist. Zum anderen sollte die Geschichte verdeutlichen, dass man sich nach einem Streit auch wieder vertragen und zusammen spielen kann. In der Krippengruppe gab es Kinder, die oft gebissen wurden und aufgrund dessen Angst hatten und nicht mehr in die Krippe kommen wollten.
Anschließend gestalteten die Kinder zu der Geschichte eine narrative Wand mit Bildern. Mithilfe dieser Bilder erzählten sie die Handlung anschließend in verkürzter Form noch einmal. In den folgenden Tagen standen die Kinder immer wieder vor dem Plakat, schauten sich an und gingen auf die Emotionen und das Beißen ein.
Die Co-Regulation bei Krippenkindern stellt eine essenzielle Entwicklungsgrundlage dar und ist ein zentraler Bestandteil pädagogischer Arbeit. Pädagogische Fachkräfte unterstützen die Kinder dabei, ihre Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zunehmend selbstständig zu regulieren. Langfristig erwerben die Kinder auf diese Weise emotionale Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen, angemessen mit ihren Gefühlen umzugehen.